Wanderarbeiter und Erntehelfer in der deutschen Landwirtschaft. Status und Probleme historischer Arbeitsmigration im „langen“ 19. Jahrhundert im Spiegel früher Presseberichte
DOI:
https://doi.org/10.12775/BPMH.2023.005Schlagworte
Arbeitsmigration; Wanderschaft; Erntehelfer; Torfstecher; Hopfenzupfer; Ziegeleiarbeiter; Zeitungen; Zeitschriften; 19. Jahrhundert; Industrialisierung; Deutsches ReichAbstract
Die Lage der Landarbeiter, die insbesondere zu Erntezeiten in einem keineswegs noch systematisch erforschten zur europäischen Arbeitsmigration und Binnenwanderung standen und stehen, ist kein unbeschriebenes Blatt. Kein geringerer als der Soziologe Max Weber sorgte bereits 1892 in seiner „Ausarbeitung über die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland“ – sie ist in Tübingen im Verlag J.C.B. Mohr erschienen – für eine sozial- und nationalökonomische Einordnung des Umfeldes intensiver polnisch-deutscher Arbeitsteilung und Arbeitsmigration. Arbeitsmigration ist demnach wesentlich älter als es der in der Europäischen Union seit den 1970er Jahren kursierende Synonymbegriff „arbeitsmarktbezogener Zuwanderung“ suggeriert. Die Produktion in weiten Teilen der deutschen Landwirtschaft, gegenwärtig insbesondere im Spargel-, Gurken- und Hopfenbau, ist ohne die Hilfe der meist aus Osteuropa stammenden Erntehelfer nicht mehr wettbewerbsfähig. Im 19. Jahrhundert stieg zunächst im Umfeld der Mechanisierung der Landwirtschaft der Bedarf an Arbeitskräften zu Erntezeiten nochmals enorm, während gleichzeitig ländliche Tagwerker in die Industrie abwanderten.
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